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Pressemitteilung des Landratsamts Emmendingen

Ich, Europa und das Haar in der Suppe
Europaerfahrungen in Tagebüchern: Eine Lesung zum Europatag

Welchen Blick haben junge Menschen auf ihre Nachbarländer? Was bedeutet es, Europäer zu sein? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Kooperationsveranstaltung des Deutschen Tagebucharchivs und der Europabeauftragten des Landkreises Emmendingen am Sonntag, dem 10. Mai. Dabei wurden Tagebucheinträge mit Gedanken und Beobachtungen zu Europa präsentiert.

Christiane Weinzierl vom Deutschen Tagebucharchiv in Emmendingen hat die Texte hierfür ausgewählt. Sie und die Französin Françoise Bonnot-Jörgens sowie Helmut Hoppe, Markus Schaber und Lennart Stephan vom Erasmus-Gymnasium Denzlingen trugen die Texte aus verschiedenen Jahrzehnten gekonnt und engagiert vor. Die Europaveranstaltung wurde vom Staatsministerium Baden-Württemberg finanziell unterstützt.
Der älteste Text der Lesung stammt aus dem Jahr 1925: Eine junge Frau aus Wien erlebt die schwäbische Sparsamkeit und ist schockiert darüber, dass sie in Deutschland keine Hosen tragen darf. Ein junger Kadett aus Bremen macht zwanzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1967, sehr unterschiedliche Erfahrungen auf seiner Fahrt durch europäische Gewässer. „Reykjavik. Auf den Straßen wurden wir angepöbelt, Halbwüchsige schrien: Scheiß-Deutsche und Heil Hitler.“ Auch in Frankreich macht ein deutscher Student 1955 ähnliche Erfahrungen, überdenkt in seinen Notizen die deutsch-französische Versöhnung und den Nationalismus. Eine Deutsche erlebt 1979 in Griechenland als Neubürgerin die zwei Seiten der griechischen Gastfreundschaft, vermisst das heimatliche Weihnachten, findet aber dennoch ihr Glück auf einer kleinen griechischen Insel mit „Freiheit und Leben“.
So unterschiedlich die Texte über Europa auch sind, eines verbindet sie alle: „Alle finden das sprichwörtliche Haar in der Suppe“, wie Dr. Marianne Dörr in ihrem Grußwort feststellt. Sie bedankt sich vor allem bei den Partnern der anderen europäischen Tagebucharchive, in deren Netzwerk das Emmendinger Archiv eng eingebunden ist. Landrat Hanno Hurth erinnert in seinem Grußwort an den Anlass der Veranstaltung: die Rede von Robert Schumann vom 9. Mai 1956, in der Schumann den Vorschlag einer europäischen Gemeinschaft unterbreitet. Er bedankt sich für die Arbeit des Tagebucharchivs und betont. „Tagebücher sind mehr als nur private Aufzeichnungen. Gerade auf Reisen und in fernen Ländern öffnen sie den Blick. Diese Sammlung macht erfahrbar, wie sich Geschichte im Individuellen niederschlägt und wie aus vielen Stimmen ein Resonanzraum gemeinsamer Identität entstehen kann.“
Für die musikalische Umrahmung der sehr gut besuchten Matinee sorgten Gabriele Kniesel am Klavier und Lutz Thormann an der Querflöte.

Text- und Bildquelle: Deutsches Tagebucharchiv Emmendingen